ProjekteEuropaKasachstanSchutz der Saiga Antilope - Altyn Dala Conservation Initiative
Schutzprogramm für die kasachische Saiga-Population
ZIEL

Erhaltung der Restpopulation der Saiga-Antilope (Saiga tartarica tartarica) durch Anti-Poaching-Units und Ausweisung großflächiger Schutzgebiete in den kasachischen Steppenlandschaften.

ALTYN DALA CONSERVATION INITIATIVE

Das Naturschutzprogramm Altyn Dala Conservation Initiative (Altyn Dala bedeutet “goldene Steppe” auf kasachisch) hat zum Ziel, ein Netzwerk geschützter Grassland-Habitate in Zentral-Kasachstan aufzubauen. Mehr als 5,2 Millionen Hektar des Gebietes stehen bereits unter offiziellem Schutz, aber weitere 5 Millionen Hektar (etwa die Fläche Niedersachsens) sollen noch hinzukommen. Mit diesen etwa von blühenden Wildtulpen übersäten Mosaikstückchen werden letztendlich riesige Gebiete von Gras-Steppe und Halbwüste, die charakteristische Landschaft Kasachstans, geschützt und wiederhergestellt.

Die Altyn Dala Conservation Initiative ist ein internationales Gemeinschaftsprojekt der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) und der Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK), in enger Zusammenarbeit mit dem kasachischen Komitee für Forst und Jagd des Ministeriums für Landwirtschaft und dem kasachischen Ministerium für Umweltschutz.

2009 konnten erstmals Saigas mit Satellitensendern versehen werden, um ihre Wanderrouten zu erforschen. Das Wissen um die genauen Wanderrouten ist eine der Grundvoraussetzungen für einen effektiven Schutz der Art in den weiten Steppen Kasachstans und ermöglicht es, die Grenzen der Schutzgebiete optimaler festzulegen.

HINTERGRUND

Man schätzt, dass in den 1970er Jahren noch etwa eine Million Saigas im Grasland Kasachstans lebte. Auch heute noch ist Kasachstan Heimat des größten Teils der Gesamtpopulation der Saiga - auch wenn diese nur noch einen Bruchteil ihrer einstigen Größe hat. Heute gibt es nur noch rund 81.000 Tiere. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion führte die Verarmung der ländlichen Bevölkerung parallel mit dem Öffnen der Grenzen zu China zu einer massiven Zunahme von Wilderei. Man trachtete den Antilopen nach ihrem Fleisch aber auch nach ihren Hörnern, die in der traditionellen chinesischen Medizin begehrt sind. Im Jahr 2002 war die Saiga-Antilope am Rande des Aussterbens und wurde als „kritisch gefährdet” in die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN aufgenommen.

Die wichtigste Population in Kasachstan erholt sich glücklicherweise seit einigen Jahren wieder. In der Altyn Dala Region ist der Bestand von weniger als 4.000 Tieren im Jahre 2002 auf über 45.000 Tiere Anfang 2009 angestiegen. Dieser Erfolg geht maßgeblich auf mobile Antiwilderer-Einheiten und auf die Verbesserung des Schutzes des Lebensraums, der Steppen und Halbwüsten, zurück. Auch bessere Erkenntnisse über das Verhalten der Saiga helfen sie zu schützen. Die Saigaantilope spielt eine Schlüsselrolle bei der Erhaltung der international bedeutsamen Steppen- und Halbwüsten-Ökosysteme mit ihren einzigartigen Pflanzen- und Tierarten.

Die Bedeutung der Saiga für das Ökosystem

In der Vergangenheit haben die Saigas und andere weidende Tierarten, wie etwa der Kulan (der zentralasiatische Wildesel) dazu beigetragen, die Graslandschaften durch stetes Abweiden zu erhalten. Die Saiga spielt eine wichtige Rolle in der Ökologie der Grasländer: sie verbreitet die Samen der Pflanzen über große Distanzen, ihre Losung trägt zur Fruchtbarkeit des Bodens bei, und die Tritte ihrer Hufe treiben die Samen in den Boden ein und unterstützen sie so bei der Keimung. Die fortwährende Beweidung durch die Saiga und andere große einheimische Säugetierarten hält das natürliche Grasland offen und schafft Lebensraum für die charakteristischen Vogelarten der Steppe, wozu auch die Großtrappe und der stark bedrohte Steppenkiebitz gehören. Genauso wie die Saiga sind beide Vogelarten vom Aussterben bedroht. Eine gesunde Population von Saiga-Antilopen schafft auch Nischen für Fleischfresser, wie den Mönchsgeier und den Wolf.

In prähistorischen Zeiten kam die Saiga in weiten Teilen Europas vor, ihre westliche Verbreitungsgrenze reichte bis England. Heute beherbergt Kasachstan die größte Population der Saiga, zudem gibt es kleinere Populationen im europäischen Teil Russlands und in der Mongolei. Die Saigas aus Kasachstan überwintern teilweise in Uzbekistan und möglicherweise in Turkmenistan.

WAS MACHEN WIR KONKRET?
  • Verbesserung des Rangersystems (Anti-Poaching-Unit) durch Verbesserung der Ausrüstung und Aufbau weiterer Einheiten
  • Bewertung der sozioökonomischen Situation und deren Effekt auf die Saiga-Bestände
  • Erarbeitung eines Aktionsplanes mit folgenden Elementen: Schutzgebietssystem, mobile Anti-Wilderer-Einheit, Kontrolle des illegalen Handels
  • Gebietsabgrenzung zur Einrichtung eines 6 Mio. Hektar großen Schutzgebietes unter dem Titel ALTYN DALA (Goldene Steppe) im Bereich der Turgai-Steppe
  • Verbesserung des gesetzlichen Schutzes und finanzieller Anreize zur Verbesserung des Saiga-Schutzes
  • Stakeholder Konferenz zur Entwicklung eines Aktionsplanes
  • Verbesserung der Datengrundlage
PROJEKTPARTNER
  • Association for Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK)
  • Bundesamt für Naturschutz (BfN)
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
  • Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ)
  • Convention on Migratory Species (CMS)
  • Centrum für Internationale Migration (CIM)
  • Darwin Stiftung (UK)
  • Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)
  • Gregor Louisoder Umweltstiftung
  • Global Environment Facilty (GEF)
  • Kasachisches Komitee für Forst und Jagd, Ohkotzooprom
  • Royal Society for Protection of Birds (RSPB)
  • Umweltministerium Kasachstan
  • United Nations Development Program (UNDP)
  • Umweltbundesamt (UBA)
  • WWF-International
  • Zoologisches Institut, Almaty

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