Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel setzt sich für Serengeti ein
17.02.2011

(Frankfurt, 17.Februar 2011) Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel hat sich heute mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt über den aktuellsten Stand in Sachen „Straße durch die Serengeti“ ausgetauscht. Anschließend stellte der Minister vor, was Deutschland im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit mit Tansania tun kann, um dem Land einerseits zu helfen, die Entwicklung bisher vernachlässigter ländlicher Gebiete in Nordtansania voranzutreiben, gleichzeitig aber nicht die Integrität des einzigartigen Serengeti Nationalparks zu gefährden.

„Wir sind sehr froh, dass die Bundesregierung unsere Sorgen bezüglich der ökologischen wie ökonomischen Konsequenzen dieser Fernstraße durch den Nordteil des Nationalparks teilt“, sagt ZGF-Geschäftsführer Christof Schenck. „Es ist der richtige Weg vorwärts, Entwicklung und Ressourcenschonung zu verbinden.“

Niebel hat heute in Frankfurt angekündigt, dass Deutschland bereit sein würde, eine Studie zu alternativen Möglichkeiten der Anbindung der nördlich an die Serengeti angrenzenden Gebiete an das bestehende Straßennetz - ohne eine Durchquerung der Serengeti - zu finanzieren. Diese Anbindung der ländlichen Gebiete nennt Tansanias Staatspräsident Kikwete als einen der Hauptgründe für die Notwendigkeit der umstrittenen Fernstraße.

Darüber hinaus bekräftigte Niebel die Bereitschaft, eine internationale Machbarkeitsstudie für eine alternative Südumgehung des Nationalparks zu finanzieren. Denn diese alternative Trassenführung würde nicht nur kostengünstiger sein, sondern auch wesentlich mehr Tansanier an ein gutes Straßennetz anbinden.

Deutschland setze sich bei anderen Gebern dafür ein, im Rahmen eines Geberkonsortiums die Umsetzung der Alternativrouten finanziell zu unterstützen, so der Minister. Allerdings seien diese Angebote klar gekoppelt an ein politisches Moratorium bezüglich des Ausbaus kommerzieller Straßen durch die Serengeti.

Unzureichende Prüfung der Alternativen

Bislang war Tansania den Bitten der Gebergemeinschaft sowie von Naturschutz-organisationen, Alternativen zur angedachten Trassenführung im Norden zu prüfen, nicht nachgekommen. „Der Entwurf der Umweltverträglichkeitsprüfung, der jetzt vorliegt, ist völlig unzureichend,“ sagt Christof Schenck. Die Autoren kommen darin zu dem Schluss, dass die Nordroute die beste sei, ohne überhaupt Alternativen geprüft zu haben. Zudem hätte die Studie in keinster Weise die ökologischen, ökonomischen wie sozialen Konsequenzen der Trassenführung durchdacht. „Die Studie widerspricht sich zudem selbst“, sagt Schenck, „man kommt zu dem Schluss, dass die Straße den Tourismus ankurbeln würde und gleichzeitig, dass der Tourismus der große Verlierer der Straße sein werde.“ Der Tourismus wird jedoch für die Entwicklung Afrikas eine immer größere Rolle spielen und der Wert von unberührten Naturgebieten wird in Zukunft noch weiter steigen.

HINTERGRUND

Tansania setzt sein Weltwunder aufs Spiel

Seit Tansania im Mai 2010 ankündigte, eine Straße für den Güter- und Fernverkehr durch den Serengeti Nationalpark bauen zu wollen, hagelt es bei der tansanischen Regierung Proteste gegen das Vorhaben. Diese scheint bislang jedoch unbeirrt und überzeugt davon, dass die Straße keine negativen Auswirkungen auf den Nationalpark und seine Tierwelt haben werde.
Die Serengeti ist eine Ikone unter den Nationalparks dieser Welt, UNESCO Weltnaturerbe, ein unvergleichliches Wildnisgebiet und der Inbegriff für die Savanne Afrikas. Die Straße durch den Norden des Parks würde die weltberühmte Wanderung von fast zwei Millionen Gnus, Zebras und Antilopen an einer ihrer empfindlichsten Stellen treffen. Sie würde den nördlichen Teil ihres Zugweges und somit den Zugang zum Wasser in der Trockenzeit blockieren.

Wie amerikanische Ökologen unlängst zeigten, könnte der Bestand der Gnus um bis zu 35% zurückgehen, wenn den wandernden Herden durch ein Hindernis wie eine Straße der Weg in Richtung Norden versperrt wird. Damit untermauern die Wissenschaftler die bisherige Argumentation der Naturschutzseite gegen die Straße: Tansania riskiert mit dem Straßenbauprojekt, eins der großen Naturwunder unserer Erde zu verlieren – und mit ihm den Ruf der Serengeti als einem der bedeutendsten Nationalparks der Welt irre¬parabel zu schädigen.